Die 3. Lange Nacht der Wissenschaft

Ein Blick auf die Uhr – kurz nach Mitternacht. Ein Blick nach vorne – ich befinde mich im Audimax und ein Roboter mit Zauberhut führt Kartentricks vor. Was sich im ersten Moment anhört wie ein skurriler Traum, ist in Wirklichkeit das Finale der 3. Langen Nacht der Wissenschaft 2015.

Aber fangen wir von vorne an….

Die Lange Nacht der Wissenschaft fand bereits das dritte Mal an der Hochschule Pforzheim statt. Sie knüpfte direkt an das IMPULSE’15-Alumni-Event an und animierte viele Besucher auch noch den Abend an den zwei Fakultäten in der Tiefenbronnerstraße zu verbringen.

Neben den zahlreichen Kurzvorträgen gab es in diesem Jahr auch ein Angebot für Kinder und Jugendliche. Abgerundet wurde die Veranstaltung von einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm.

Ich hatte an diesem Abend die Chance, verschiedene Vorträge zu hören und einen kleinen Einblick in die Workshops zu bekommen.

 

Ein Ausflug in die Welt der Technik

Zuerst begab ich mich in die Fakultät für Technik „auf der anderen Straßenseite“.Wie man vermutlich hört, war das Technikgebäude zu diesem Zeitpunkt noch Neuland für mich. Dementsprechend lange habe ich gebraucht, um den Raum zu finden, in dem laut Broschüre ein Lego-Roboter programmiert werden sollte.
Der Raum war gefüllt mit vielen interessierten Kindern und Jugendlichen, die unter Anleitung von Peter Bitterlich und Ibrahim Ünsal einen Fahrroboter programmieren sollten. Die Begeisterung der jungen Teilnehmer war definitiv zu spüren und die Aufmerksamkeit war auch um einiges höher als in einer „normalen“ Vorlesung. Ob das hier „auf der anderen Straßenseite“ immer so ist?

Nun wieder an meiner vertrauten Fakultät angekommen, ging es direkt weiter mit dem ersten Vortrag des Abends. Prof. Dr. Henning Hinderer referierte über die Autos der Zukunft und welche Chancen sich für die deutsche Automobilindustrie ergeben.
Neben der Elektromobilität sieht Hinderer die Trends der Zukunft vor allem in der Rekuperationstechnik. Sinn und Zweck dieser Technologie ist die Energierückgewinnung für mehr Effizienz und Reichweite von Elektrofahrzeugen. So wird z.B. die Bremsenergie wieder in die Batterie eingespeist und geht somit nicht „verloren“. Wie war das nochmal mit dem Energieerhaltungssatz?!

Ein weiterer Trend stellt das autonome Fahren dar. Einige deutsche Automobilhersteller bieten schon Teilaspekte dieser Technologie an. Da man aber vom Fahrer zum Passagier wird, sieht Hinderer viele rechtliche Hürden auf dem Weg zur vollkommenen Autonomität unserer Fahrzeuge.
Prof. Dr. Henning Hinderer zeigte viele Chancen für die Automobilindustrie auf. Er hofft, dass Politik und Wirtschaft mutig genug sind, um diese Chancen zu ergreifen. Schon zu oft sei der Zug ohne die deutsche Industrie abgefahren.

 

Die Natur als Vorbild

Nach der Pause ging es weiter mit einem Vortrag über erfolgreiches Markendesign von Prof. Thomas Gerlach. Der geheimnisvolle Titel „Nicht nur der Haifisch hat Zähne“ bezog sich auf den Biber. Der Messerhersteller Fissler hat sich dieses Tier als Vorbild für eine neuartige Klinge genommen. Genauer gesagt: die Zähne des Bibers. Diese schärfen sich nämlich selbst und werden so niemals stumpf. Durch den geschickten Einsatz von verschiedenen Stählen konnte man den gleichen Effekt für die Messerklinge nachahmen. Das brachte den Designern dann auch den begehrten Red Dot Design Award ein.

 

Mit Feuer und Energie in eine bessere Zukunft!

Um 22.00 Uhr versammelten sich alle Besucher des Abends auf dem Hof der Hochschule, um die spektakuläre Feuershow zu bewundern. Für Jung und Alt war das ein sehr schöner Kontrast zu den Vorträgen. Aber das war noch lang nicht das Finale!

Im Anschluss konnte man noch den Vortrag von Prof. Dr. Mike Barth über Smart Homes verfolgen. Hierbei wollte Barth betonen, dass die Steuerung des Lichts über unser Smartphone noch lange keine Smart-Home-Technologie im eigentlichen Sinne ist.
Viel eher sieht er die Zukunft dieser Technologie in der intelligenten und selbstständigen  Vorausplanung unseres Hauses. So soll z.B die Wärmepumpe von modernen Heizsystemen den Wetterbericht kennen und so ihre Aktivität intelligent anpassen. Außerdem können laut Barth autonome Beleuchtungssysteme bis zu 50 Prozent des Energiebedarfs einsparen.
Ein Blick auf mein Smartphone bestätigt diese Theorie: Akku fast leer – die Bildschirmhelligkeit wird automatisch reguliert. Aber das war noch nicht das Ende für mich.

 

Das magische Finale

Unter dem Motto „Magie ist lediglich Technik, die wir noch nicht verstehen“ ging die 3. Lange Nacht der Wissenschaft nun in ihr Finale.

Prof. Dr. Peer Johannsen hatte einen humanoiden Roboter mit dem Namen NAO aufgebaut.

NAO sollte uns zwei Kartentricks vorführen und Johannsen agierte dabei nur noch als Assistent. Das Ganze klappte auch soweit ganz hervorragend. NAO konnte wohl durch mathematische Algorithmen bestimmte Karten errechnen, die als nächstes aufgedeckt werden sollen. Wieso und warum er das hinbekommen hat, konnte ich um diese Uhrzeit beim besten Willen nicht mehr herausfinden. Es war trotzdem ein schöner Anblick, wie der knapp 60 Zentimeter große Roboter ein ganzes Publikum unterhalten konnte und er wie von Geisterhand auf seine Umwelt reagierte.
Das war sie also, die 3. Lange Nacht der Wissenschaft an der Hochschule Pforzheim. In Verbindung mit dem IMPULSE’15 Event war das zwar ein sehr langer, aber trotzdem lehrreicher Tag für mich. Obwohl ich nur einen kleinen Teil aller angebotenen Vorträge besuchen konnte, war die Vielfalt und Qualität sehr beeindruckend.

Ich freue mich schon auf das nächste Mal!

– Gerrit Zell

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