Studium Generale mit Matthias Horx „Anleitung zum Zukunftsoptimismus: Warum die Welt nicht schlechter wird, wir das aber so schrecklich gerne glauben.“

Anleitung zum Zukunftsoptimismus: Warum die Welt nicht schlechter wird, wir das aber so schrecklich gerne glauben – Matthias Horx

Im Anbetracht der jüngsten Ereignisse in Paris klingt der Titel des Studium Generale fast etwas zynisch. Oder ist dieser Vortrag genau die Anleitung, die wir in diesen Zeiten brauchen?

Matthias Horx gilt als der einflussreichste Trend- und Zukunftsforscher in Deutschland. Im Rahmen seines Zukunftsinstituts Horx GmbH erforscht und deutet er die Trends von morgen.

„Es wird immer schlimmer“ und „damals war alles besser“ sind gängige Phrasen, die gerade im Anbetracht der aktuellen Lage immer öfter zu hören sind. Aber war es früher tatsächlich besser, und wird es immer schlimmer? Matthias Horx betont, dass es „eigentlich nie ganz einfach war“ und wir selbst die Gestalter unserer Zukunft sind.

 

Das Pessimismus-Quiz

Wie schlimm es wirklich um die Welt steht, will auch der Global-Ignorance-Test herausfinden. Bei diesem Test werden einfache Fragen zum Befinden der Menschheit gestellt und drei Antwortmöglichkeiten präsentiert.

Hier ist eine Auswahl von typischen Fragen:

Wie hoch ist die globale durchschnittliche Lebenserwartung?

A: 30 Jahre
B: 50 Jahre
C: 70 Jahre

Wie hoch ist der globale Anteil des Analphabetismus?

A: 50 %
B: 60 %
C: 20 %

Entgegen aller Erwartungen lautet die Antwort in beiden Fällen C. Diese Ergebnisse führten zu großem Erstaunen unter den Zuhörern. Denn schon bei diesen einfachen Fragen merkt man wie das Weltbild einiger Menschen ins Schwanken gerät. Auch die Tatsache, dass die Impfung gegen Masern global besser vorangeschritten ist als in Berlin, sorgt für ein ungläubiges Kopfschütteln.

Matthias Horx fasst die Ergebnisse mit folgenden Worte zusammen: „Die Welt ist nicht gut, aber sie ist massiv besser geworden“

 

Liveübertragung des Weltuntergangs

Aber wieso haben wir ein solch pessimistisches Bild von der Welt?

Laut Horx sind die Medien der Hauptverursacher dieser verzerrten Sicht. Katastrophen und negative Schlagzeilen erzeugen viel mehr Aufmerksamkeit und Einschaltquoten als positive Nachrichten. Ich bin wahrscheinlich nicht der Einzige, der in den vergangenen Tagen öfters die Nachrichten verfolgt hat als sonst. Man will schließlich auf dem Laufenden sein, wenn etwas Schlimmes passiert. Dieser Umstand macht die Medien zu einem wichtigen Propagandainstrument – nicht nur für die Politik, sondern auch für die Terroristen. Denn laut Horx werden wir von Bildern beherrscht. Je grausamer die Bilder, desto höher der Effekt beim Zuschauer.

Manchmal könnte man die täglichen Nachrichten mit einem Horrorfilm verwechseln. Es scheint schon fast eine Form von Entertainment zu sein, wenn man den vermeintlichen Weltuntergang live im TV verfolgen kann.

Es gibt aber auch ganz pragmatische Motive für unseren Pessimismus. Wir können uns so sehr einfach von unserer Verantwortung verabschieden, denn „es bringt ja eh nichts“.

Wir müssen nicht spenden, denn die Gelder kommen nicht dort an.
Wir müssen keinen Energiewandel vollziehen, denn die anderen tun es auch nicht.
Ich muss mich nicht um eine erfolgreiche Integration kümmern, denn vielleicht sind es Terroristen.

Die Liste könnte endlos fortgesetzt werden. Sie zeigt, wie gerne wir uns auf den Pessimismus einlassen, solange er uns von unseren Pflichten befreit.

 

Schluss mit dem Pessimismus! 

Matthias Horx empfiehlt uns, „die Zukunft neu zu erzählen“. So solle man die apokalyptisch anmutenden Umweltprogramme in einen ökologischen Hedonismus umwandeln. 

Durch den Einsatz von Design und Innovation soll das Schöne mit dem Ökologischen verbunden werden und so eine freudvolle Nachhaltigkeit geschaffen werden.

Ein Beispiel hierfür sind innovative Fleischersätze, die für den Endverbraucher nicht mehr von echtem Fleisch unterscheidbar sind und so eine gute und genussvolle Alternative zum radikalen Vegetarismus darstellen. Ökologie soll Spaß machen und uns nicht zum Verzicht zwingen. Viel eher müssen wir offen für gleichwertige Alternativen sein, um nicht dem „Leider-Geil-Effekt“ zu verfallen. Dieser Effekt beschreibt das menschliche Verhalten, genau das Gegenteil von dem zu tun, was man von uns verlangt. So kommt es, dass sich in den USA eine Szene bildet, die es sich zum Ziel gemacht hat, so viele Abgase wie möglich aus ihren Auspuffen zu blasen.

All unsere Hoffnung liegt also im menschlichen Innovationsgeist, welcher uns schon sehr weit gebracht hat. Denn laut Horx ist „die Steinzeit schließlich nicht am Mangel von Steinen zu Ende gegangen“.

Wir sollten also offen sein für die Zukunft und keine Angst vor ihr haben. Denn wir sind gerade erst am Anfang.

– Gerrit Zell

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