Studium und Praktikum im Ausland – Teil 1

Für die Ausbildung der Heimat vorübergehend den Rücken zu kehren, liegt im Trend. An einigen Hochschulen ist das Studium im Ausland bereits Pflicht, aber auch Praktika in der Ferne sind beliebter denn je. Darüber hinaus kann internationale Erfahrung in einer globalisierten Welt ja eigentlich nur von Vorteil sein. Aber ist ein Auslandssemester wirklich das sichere Ticket für den Job?

Wie einst Goethe zur „Horizonterweiterung“ für einige Monate ins Ausland zu gehen, war bis weit ins 20. Jahrhundert hinein nicht selbstverständlich. Heute dagegen sammelt der Großteil der Studierenden durch Sprachkurs, Studium oder Praktikum Erfahrungen in der Fremde. Gut gebildet und hoch motiviert steht ihnen die ganze Welt offen – eine Generation auf Bildungsreise.

Möglichkeiten ohne Grenzen

Was lockt Studenten ins Ausland? Zum einen sind mit dem Wegfall der innereuropäischen Grenzen die Mobilitätsschranken stark gesunken. Heute gibt es Billigflieger und Bahncards, das Internet und zahllose Möglichkeiten, Fremdsprachen zu lernen – da fällt der Schritt ins Ausland einfach leichter. Zum anderen scheint das Auslandssemester in Zeiten der Globalisierung die Chancen auf einen guten Arbeitsplatz zu erhöhen.

Das Ausland als Persönlichkeitsschmiede

Neben den Studien- oder beruflichen Schwerpunkten sind es gerade die Soft Skills, die man im Ausland trainiert. Das ist spätestens bei Bewerbungen wichtig: Auslandserfahrung zeigt, dass der Bewerber sich getraut hat, die heimische Komfortzone zu verlassen. Das Leben in einer anderen Kultur ist ein Härtetest für Anpassungsbereitschaft, Flexibilität, Kompromissfähigkeit und die Fremdsprachkenntnisse – eine Persönlichkeitsschulung durch und durch.

Die erste Zeit ist ein Abenteuer

Der Umgang mit neuen Situationen, die Probleme des Alltags an einem fremden Ort – besonders die ersten Tage und Wochen im Ausland sind ein Abenteuer. Doch auch solche Erfahrungen kann man später sehr gut ins Berufsleben einbringen. Offenheit für Neues und Ungewöhnliches, Respekt vor der Eigenartigkeit anderer Kulturen und Toleranz gegenüber abweichenden Meinungen – das alles sind Charaktereigenschaften, die im Berufsalltag eine große Rolle spielen.

Auslandserfahrung zur Lebenslauf-Politur versus Kulturerfahrung

Dass internationale Erfahrungen in einer globalisierten Wirtschaft von Vorteil sind, hat sich herumgesprochen. Doch je mehr Studenten mobil werden, desto mehr Unternehmen erwarten das auch. Man bekommt fast den Eindruck einige gehen nur des Lebenslaufes wegen ins Ausland. Geht es jedoch bloß um die Lebenslauf-Politur ohne wirkliche Kenntnis der fremden Kultur, kann man auch zu Hause bleiben und da an tollen Projekten arbeiten. Doch gerade internationale Unternehmen suchen verstärkt Bewerber, die sich wirklich in andere Kulturen hineindenken können.

Partysemester oder Doppeldiplom?

Wenn Auslandserfahrung beinahe schon vorausgesetzt wird, ist sie dann also bei der Bewerbung kein Alleinstellungsmerkmal mehr? Generell verbessert man mit der Auslandserfahrung schon seinen Marktwert, allerdings kommt es darauf an, was man wo und wie lange gemacht hat. Dabei spielt der Ort weniger als die Qualität und Dauer des Aufenthalts eine Rolle. Es macht einen deutlichen Unterschied, ob man ein Partysemester in Spanien oder das Doppeldiplom in Strasbourg absolviert hat. Sprachkenntnisse festigen, soziale Kontakte knüpfen und sich wirklich in die fremde Kultur einfühlen – das geht eigentlich nur mit einem ganzjährigen Aufenthalt.

 

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