Wie viel BaföG bekommst Du?

Ob und wie viel BaföG du bekommst, kannst du ganz einfach selbst herausfinden, und zwar ganz einfach unter folgendem Link BaföG-Rechner.

Ich empfehle euch sehr: Nehmt euch 5 Minuten Zeit und prüft die Möglichkeit, damit euch nicht bares Geld entgeht. Oft haben auch junge Leute Anspruch auf BaföG, die das gar nicht erwartet hätten. Die Chancen sind vor allem dann relativ hoch, wenn ihr (mehrere) Geschwister habt und/oder nur ein Elternteil berufstätig ist.

Besonders interessant ist auch das elternunabhängige BaföG, das für Studenten in Frage kommt, die vor ihrem Studium bereits eine Ausbildung absolviert haben und/oder berufstätig waren. Hierfür kommen die nachfolgenden Konstellationen in Betracht:

Fünf Jahre erwerbstätig vor Studienbeginn

Um elternunabhängiges BAföG zu erhalten, solltest Du fünf Jahre zwischen Deinem 18. Geburtstag und dem Beginn des Studiums gearbeitet haben.

Berücksichtigt werden dabei folgende Formen der Erwerbstätigkeit:

  • Gehalt während Deiner Erwerbstätigkeit muss mindestens 120% des geltenden Bedarfssatzes für Studenten entsprochen haben (der Bedarfssatz entspricht ungefähr 716 €). Dein Gehalt muss außerdem zur Deckung Deines Lebensunterhalts ausgereicht haben.
  • Du musst nicht zwangsweise fünf Jahre am Stück gearbeitet haben
  • Vollzeit, Teilzeit, oder selbstständige Arbeit
  • Teilzeitbeschäftigung neben einer Ausbildung

Nicht berücksichtigt werden dabei folgende Formen der Erwerbstätigkeit:

  • Eine Ausbildung (auch keine vergütete)
  • Ferienjobs

Außerdem werden noch folgende Tätigkeiten auf die fünf Jahre Erwerbstätigkeit mit angerechnet:

  • Wehr- oder Zivildienst
  • freiwilliges soziales Jahr
  • Bundesfreiwilligendienst
  • Haushaltstätigkeit im eigenen Haushalt mit einem behinderten oder auf Hilfe angewiesenes Kind unter 10 Jahren
  • Arbeitsunfähigkeit aufgrund von Krankheit
  • gesetzlicher Mutterschutz
  • Erwerbsunfähigkeit
  • Maßnahmen zur medizinischen oder beruflichen Rehabilitation
  • Maßnahmen zu beruflichen Weiterbildung (§§ 77 ff. SGB III)
  • Leistungen wie Arbeitslosengeld 1 oder Krankengeld empfangen, die 100% des Bedarfssatzes entsprachen (ALG 2 zählt hier nicht rein)
  • Arbeitslosigkeit (nur, wenn Du während dieser Zeit keine Ausbildung gemacht hast, die BAföG förderungswürdig war)

Solltest Du vor Deiner Erwerbstätigkeit schon einmal studiert haben, zählt dies für das elternunabhängige BAföG nicht zu den fünf Jahren dazu. Solltest Du allerdings Dein Studium abgebrochen und im Anschluss fünf Jahre gearbeitet haben, zählt ein neu aufgenommenes Studium zu einem neuen Ausbildungsabschnitt.

Berufsausbildung und drei Jahre erwerbstätig – insgesamt mind. sechs Jahre

Die zweite Möglichkeit elternunabhängiges BAföG zu bekommen ist, wenn Du zuerst eine Berufsausbildung abgeschlossen hast und danach mindestens drei Jahre erwerbstätig warst, insgesamt also auf mindestens sechs Jahre kommst. Die sechs Jahre müssen vor Beginn Deines Studiums erfolgen. Folgendes ist ausschlaggebend um BAföG elternunabhängig zu beziehen:

  1. Die Reihenfolge: Du musst zuerst Deine Berufsausbildung abgeschlossen haben und dann erwerbstätig sein
  2. Die Dauer: Insgesamt muss die Ausbildung und die Erwerbstätigkeit mindestens sechs Jahre dauern. Hierbei ist es wichtig, dass Du mindestens drei Jahre lang erwerbstätig warst. Die Ausbildung kann gegebenenfalls kürzer als drei Jahre sein, wenn die Erwerbstätigkeit dafür länger ist, nicht andersrum.
  3. Nicht älter als 30: Auch hier musst Du die Altersgrenze beachten und darfst für die Förderung durch BAföG nicht über 30 Jahre alt sein.

Übrigens: Elternunabhängiges BAföG nach Ausbildung in einem Betrieb und ohne die erforderliche Dauer der Erwerbstätigkeit ist nicht möglich. Eine betriebliche Ausbildung allein gilt nicht als BAföG-förderungsfähig. Das heißt für Dich, dass Du normales BAföG beantragen kannst, insofern Du nicht BAföG mit 30 Jahren oder älter beantrags

Sonderfall: Keine Unterhaltspflicht und kein elternunabhängiges BaföG

In einigen Fällen kann es sein, dass Du zwar kein Anrecht mehr auf Unterhalt der Eltern hast, aber gleichzeitig die Bedingungen für elternunabhängiges BAföG nicht erfüllt sind. Was tun? In diesem Szenario bist Du in einer sogenannten Regelungslücke. Wir empfehlen Dir, trotzdem zu versuchen, elternunabhängiges BAföG zu beantragen. Dafür musst Du das Formblatt 8 ausfüllen und einen Antrag auf Vorausleistungen stellen.

Vorausleistungen können beispielsweise gezahlt werden, wenn Deine Eltern keine Unterstützung an Dich zahlen möchten, obwohl sie es potenziell könnten. Das kann zur Folge haben, dass Deine Ausbildung gefährdet ist, weil Dein bisheriges BAföG nicht ausreicht. Du kannst deshalb einen Unterhaltsbetrag, den normalerweise Deine Eltern zahlen müssten, vom BAföG-Amt beantragen. Das BAföG-Amt wird versuchen, sich dieses Geld von Deinen Eltern zurückzuholen. Notfalls auch vor Gericht! Falls hier allerdings entschieden werden sollte, dass Deine Eltern Dir gegenüber nicht unterhaltspflichtig sind, wirst Du elternunabhängig gefördert. Die Vorausleistungen müssen dann weder von Dir noch von Deinen Eltern zurückgezahlt werden.

Elternunabhängiges BAföG gilt besonders dann, wenn es sich bei dem Studium bereits um die zweite Ausbildung handelt und Deine Eltern nicht mehr verpflichtet sind, Unterhalt für Dich zu zahlen. Das geschieht aufgrund der Tatsache, dass die Unterhaltspflicht nicht mehr relevant ist, wenn Du nach mehr als zwei Jahren nach Deinem Ausbildungsabschluss dein Studium beginnst und zudem Dein Studium in eine ganz andere Richtung als Deine Ausbildung geht.

 

Übrigens: Zum letztgenannten sonderfall gibt es ein interessantes Urteil des BGH. Also falls jemand ein wenig rechtlich interessiert ist, schreibt mir gerne in den Kommentaren, ich gebe euch gerne das Aktenzeichen des Urteils durch!

 

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