Seminar zum Thema „Assessment Center“

Am 28.11.2017 fand an der Hochschule ein Seminar zum Thema „Assessment Center“ statt. Organisiert wurde das Seminar von Campus X, eine Initiative des FAV Pforzheim. Campus X dürfte den meisten durch den X-Day oder die Campuszeitschrift X-PRESS bekannt sein.

Abgehalten wurde das Seminar von Hesse / Schrader in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse.

Da ich noch nie etwas mit einem Assessment Center zu tun hatte, wollte ich mir die Chance nicht entgehen lassen und beschloss daher an dem Seminar teilzunehmen. Die Teilnahmegebühr von 5 € sollte, selbst als armer Student, kein Hindernis sein, insbesondere deshalb, weil man noch einen Imbiss in Form einer Butterbrezel und Kaltgetränken während der Veranstaltung gereicht bekam.

Für alle, die an dem Termin leider keine Zeit hatten, trage ich hier meine gewonnen Kenntnisse über Assessment Center zusammen.

Begonnen wurde die Veranstaltung mit einer Vorstellungsrunde der Teilnehmer und der Trainerin, Heidemarie Meißnitzer. Diese Vorstellungsrunde war deshalb sehr interessant, da Studenten aus verschiedenen Studienabschnitten anwesend waren. So gab es, wie mich, Studenten, die gerade erst das Grundstudium absolviert haben, aber auch Masterstudenten, die kurz vor ihrer Masterthesis stehen.

Quelle: Campus X

An diese Vorstellungsrunde der Teilnehmer, reihte sich eine Vorstellung des Themas Assessment Center an – sprich woher kommt der Begriff überhaupt und wieso ist dieses Verfahren bei Unternehmen so beliebt.

Der Begriff Assessment Center kommt, wie nicht schwer festzustellen ist, aus dem Englischen, genauer vom Verb to assess, was man mit beurteilen oder einschätzen übersetzt. Dies spiegelt auch den telos der Assessment Center wider.

Diese Art der Bewerberbeurteilung ist bei Unternehmen so beliebt, da dadurch mehrere Ansätze der Eignungsdiagnostik kombiniert werden können.

Nun da diese theoretischen Themen abgehakt wären, wenden wir uns den interessanten Fragen zu:

Worauf kommt es bei einem Assessment Center an?
Hier kann man folgende Ratschläge mitnehmen:
– Kommunikation im Team – allgemein ist das Thema Kommunikation bei einem Assessment Center enorm wichtig, das zeigt sich auch bei den möglichen Aufgaben.

– Sich selber sein – Assessment Center gehen nicht selten über 2 Tage, was es unmöglich macht, sich dauerhaft zu verstellen. Daher einfach von Anfang an authentisch sein, wenn auch mit taktischen Hintergedanken.

– Vorbereitung – wie auf ein „normales“ Vorstellungsgespräch muss und kann man sich auf ein Assessment Center gut vorbereiten.

– Kleidung – natürlich ist man in der Kleidungswahl nicht gänzlich frei, sollte sich aber nach Möglichkeit etwas anziehen, in dem man sich wohlfühlt. Für die Männer ist heutzutage insbesondere die Frage nach der Krawatte relevant. Hierzu sollte man sich im Vorfeld Bilder von Führungskräften auf der Unternehmenshomepage ansehen, diese sind ein guter Indikator für die Frage, Krawatte, ja oder nein. Im Zweifel sollte man lieber auf Nummer sicher gehen und eine Krawatte umbinden, sollte man vor Ort der einzige mit Krawatte sein, kann man diese immer noch ablegen.

Frauen sind grundsätzlich etwas freier in der Kleidungswahl, da sie sich zwischen Hose, Rock oder Kleid entscheiden können. Bei einem Rock gilt zu beachten, dass im Laufe des Tages Sitzpositionen auftauchen können, die nicht immer einfach mit einem Rock zu bewältigen sind.

– Zeiten einhalten – Pünktlichkeit ist natürlich eine Selbstverständlichkeit, aber auch während der verschiedenen Aufgaben hat man immer pünktlich am angegebenen Ort aufzutauchen, egal ob man genügend Vorbereitungszeit hatte, oder nicht. Seid ihr nicht pünktlich, behindert ihr den kompletten Zeitablauf.

Nun da ihr wisst, was ihr grundsätzlich zu beachten habt, kurz etwas zu dem Ablauf eines Assessment Center:
Es gibt Gruppen- und Einzel Assessment Center, wobei bei Hochschulabsolventen eher Gruppen Assessment Center üblich sind; erst bei der Auswahl von Führungspersonal kommen Einzel Assessment Center zum Einsatz.

Assessment Center dauern in der Regel einen Tag, können aber auch bis zu drei Tage dauern. Anwesend sind, logischerweise, die Teilnehmer und daneben noch Moderatoren, die die Begrüßung und Einführung übernehmen, Beobachter – mindestens zwei pro Teilnehmer und Rollenspieler.

Jetzt zu dem, was euch am meisten interessieren wird: die möglichen Aufgaben, die euch bei einem Assessment Center begegnen können.

1. Präsentation: meist wird von euch eine Einzel- oder Paarpräsentation gefordert. Das häufigste Thema hierbei ist die Selbstpräsentation beziehungsweise die des Partners. Dies kann entweder anhand von gestellten Fragen sein, oder aber komplett ohne Vorgaben.

Typische Fragen sind: Was hat mich weitergebracht? In welcher Situation habe ich mich verändert? Diese Fragen sollten in einer kreativen Darstellung präsentiert werden, da diese in die Bewertung mit einfließt.

Sind keine Vorgaben gegeben, könnt ihr euch folgende Themen zurechtlegen. Erklärt euren Werdegang; wieso habt ihr dies getan, was habt ihr aus jenem gelernt. Leitet daraus euren Nutzen für das Unternehmen und eure Stärken ab. Hier könnt ihr auch euren persönlichen USP (Unique Selling Point), also euer Alleinstellungsmerkmal präsentieren.

Auch bei dieser Präsentation gelten die Grundregeln fürs Präsentieren, also fangt mit einer Einleitung an, geht in den Hauptteil über und endet mit einem Schluss.

Da die Präsentation meist das Thema Selbstvorstellung hat, lässt sich diese Aufgabe hervorragend zu Hause vorbereiten.

2. Rollenspiel: Dieses kann euch in unterschiedlichen Ausprägungen begegnen. Möglich sind ein Konfliktgespräch, eine Verhandlung, oder ein Kundengespräch. Hierbei kommt es darauf an, auf was für eine Stelle ihr euch bewerbt.

Zur Vorbereitung bekommt ihr ein genaues Setting, bei dessen Durchlesen ihr euch gleich Notizen machen solltet, da ihr wenig Zeit haben werdet. Für das Gespräch an sich solltet ihr euch an die fünf Phasen eines Gesprächs halten:

1) Begrüßung: schafft eine angenehme Atmosphäre, indem ihr auf euer Gegenüber zugeht, ihm/ihr die Hand gebt und ein wenig Smalltalk betreibt.

2) Klärungsphase: benennt sachlich das Thema des Gesprächs und worauf ihr abzielt.

3) Themenbearbeitung: das ist der Hauptteil des Gesprächs. Hier ist es wichtig, die Gegenseite anzuhören und durch offene Fragen zum Reden zu bewegen. Startet keine persönlichen Angriffe, sondern verdeutlicht euren Standpunkt durch Argumentation.

Für diese Phase könnt ihr verschiedene Kommunikationstechniken zu Hause vorbereiten.

4) Zusammenfassung: hier fasst ihr zusammen was vereinbart werden kann und wer, was bis wann zu tun hat. Seid dabei möglichst konkret und definiert erste Maßnahmen.

5) Schluss: egal wie das Gespräch verlief, verabschiedet euch freundlich von eurem Gegenüber.

Bedenkt, dass euer Gesprächspartner meist ein professioneller Rollenspieler ist und selbst ein Setting bekommen hat. Dieses enthält oft eine wichtige Information mehr, als euer eigenes Setting. Diese Information führt meist dazu, dass ihr eure Vorgabe nicht erfüllen werden könnt. Sollte dies der Fall sein, müsst ihr Kompromisse finden, die ihr später in der Besprechung durch Argumente verteidigen könnt.

3. Gruppendiskussion: Diese Aufgabe ist sehr beliebt und findet meist unter Vorgabe von Rollen und Standpunkten statt. Das Ziel ist dann, ein gemeinsames Ergebnis zu finden – was euch fast immer nicht möglich sein wird, da die einzelnen Vorgaben zu weit voneinander abweichen.

Auch hier ist wichtig, dass ihr den anderen Teilnehmern zuhört, sachlich argumentiert und offene Fragen stellt. Versucht die Moderatorenrolle einzunehmen und so die Diskussion zu führen.

Grundsätzlich könnt ihr andere Teilnehmer unterbrechen, wenn diese ununterbrochen reden und niemand sonst zu Wort kommt. Wenn ihr dies tut, solltet dann aber nicht nur ihr selbst reden, sondern das Wort an andere weitergeben – Stichwort Moderatorenrolle.

Allgemein lässt sich sagen, dass beide Extrempositionen, Reden wie ein Wasserfall und Schweigen wie ein Grab, negativ auffallen, ihr müsst also einen Mittelweg finden.

4. Postkorb-Übung: Bei dieser Aufgabe werdet ihr mit vielen Entscheidungsfragen gleichzeitig konfrontiert und müsst diese nach Priorität ordnen.

Wie so oft kommt es darauf an, dass ihr im Nachhinein eure Entscheidung verteidigen könnt. Was aber immer vorgeht ist Leben; also wenn ihr ein Klopfen im Aufzugsschacht vernehmt hat das Vorzugehen, egal welche anderen Aufgaben anstehen.

Lasst euch bei der anschließenden Besprechung nicht durch Fragen wie „Wieso haben sie den Menschen im feststeckenden Aufzug zuerst geholfen, der Mensch kann doch sieben Tage ohne Wasser auskommen?“ nicht verunsichern. Hier sollt ihr nur provoziert werden und man will sehen, dass ihr eure Entscheidung rechtfertigen könnt.

4. Strukturiertes Interview: wird euch in jedem Assessment Center begegnen, ist aber sehr gut vorbereitbar, da es einige klassische Fragen gibt:

1) Stärken: Werdet ihr nach euren größten Stärken gefragt, dürft ihr fünf oder sechs aufzählen. Nennt dabei jeweils ein Beispiel, in dem diese Stärke zum Ausdruck kommt. Bezieht eure Stärken nach Möglichkeit auf die Stellenausschreibung.

2) Erfolge: Hierfür gibt es ein Schema, STAR, an dem ihr euch entlanghangeln könnt.

a) Situation: Was war die Ausgangsituation und was das Ziel

b) Task: Was war eure Aufgabe

c) Action: Welche Handlungsschritte habt ihr unternommen. Spätestens hier seid ihr in der Ich-Form.

d) Result: Was war das Ergebnis, und welchen Nutzen hat es für andere und eventuell auch für das Unternehmen

3) Schwächen: Die Frage nach den eigenen Schwächen ist wohl die schwerste in einem Interview, und gleichzeitig auch die einzige Frage, bei der ihr euer komplettes Bewerbungsverfahren verhauen könnt. Zu diesem Thema findet man leider viel Unsinn in der Fachliteratur, so ist es falsch, aus einer Schwäche eine Stärke machen zu wollen – wenn man explizit nach einer Schwäche fragt, will man auch eine Schwäche hören. Ebenso schlecht ist es, eine Schwäche aus einer Auflistung zu übernehmen und diese als eure eigene auszugeben. Dies fällt im Interview auf.

Man will von euch sehen, dass ihr zur Selbstreflexion fähig seid. Also geht in euch und findet eure eigenen Schwächen – glaubt mir, man findet mehr als einem lieb ist.

Auch wenn hier Ehrlichkeit wichtig ist, wählt ihr eure Schwächen natürlich taktisch aus, heißt, wenn ihr euch auf einen Job in der Buchhaltung bewerbt sagt ihr nicht, dass ihr schlecht mit Zahlen seid.

Ebenso, wie für die Erfolge, gibt es auch hier ein Schema, das euch weiterhelfen wird:

a) Schwäche benennen: seid konkret und ehrlich

b) Was hat diese Schwäche ausgelöst – nur ansprechen wenn es in eurer Vergangenheit ein Schlüsselereignis gab.

c) Erste Lösungsstrategien: diese habt ihr bereits umgesetzt und sie zeigen eine erste Wirkung

d) Die Schwäche muss nach wie vor eine Schwäche sein, dementsprechend muss sie immer wieder doch hervortreten.

4) Misserfolge: Hier könnt ihr euch an das Schema für die Erfolge halten, wobei das Ergebnis eben negativ ausgefallen ist. Vergesst nicht, danach über euer Learning durch diesen Misserfolg zu sprechen.

5. Diagnostische Testverfahren: Begegnen werden euch hier Persönlichkeitstests und Intelligenztests. Achtet darauf, dass ihr die Persönlichkeitstests mit guter Grundstimmung macht, also nicht hungrig oder frustriert über den bisherigen Verlauf des Assessment Center seid. Versucht auch nicht taktisch vorzugehen, beantwortet die Fragen einfach ehrlich, die Tests sind so ausgeklügelt, dass ihr sie nicht betrügen könnt.

Auf Intelligenztests solltet ihr euch vorbereiten, indem ihr im Internet verfügbare Tests macht, oder euch ein Übungsbuch zulegt.

6. Fallstudien: Ob euch eine begegnen wird, hängt stark von der Stelle ab, auf die ihr euch bewerbt. Beliebt sind sie bei Wirtschaftsprüfern oder ähnlichen Berufen.

Dabei werdet ihr mit Informationen überhäuft und sollt daraus eine Empfehlung, beispielsweise über eine Produkteinführung auf dem chinesischen Markt, ableiten. Unbedingt zu beachten gilt es, nicht nur die Informationen aufzubereiten, sondern tatsächlich zu einer Empfehlung zu kommen, die ihr nachher mit Argumenten belegen könnt.

Für die Bearbeitung empfiehlt sich die SWOT Analyse. Hierbei teilt ihr die Informationen in Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken ein.

7. Unternehmensplanspiel: kommt nur sehr selten vor und als Pforzheimer Student solltet ihr darauf gut vorbereitet sein.

8. Selbsteinschätzung: Dabei will man nicht eine allgemeine Selbsteinschätzung von euch hören, sondern bezogen auf das, was ihr während des Assessment Center gezeigt habt.

9. Pausen und Freizeitbeschäftigung: Seid euch immer bewusst, dass ihr auch während des gemeinsamen Essens beobachtet und bewertet werdet, also haltet die Spannung auch in Pausen aufrecht.

10. Feedbackgespräch: Falls dies nicht vom Unternehmen selbst angeboten wird, fragt unbedingt danach. Grundsätzlich dürft ihr euch gegen Falscheinschätzungen wehren, aber eben nicht bei jedem angesprochenen Punkt, sondern nur bei groben Fehlern.

Quelle: Campus X

Diese zehn Aufgaben können euch also im Laufe eines Assessment Center begegnen. Ist doch eigentlich gar nicht so schlimm, oder?

Falls bei euch ein Assessment Center ansteht, geht nicht voller Angst rein, sondern freut euch darauf und versucht Spaß zu haben.

Auch wenn etwas schief läuft, hakt es schnell ab, denn ein Fehler wird euch nicht die Möglichkeit auf eine Anstellung kosten – und meist schätzt ihr selbst euch immer viel schlechter ein, als ihr in Wahrheit seid.

 

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