Nachträgliche Rettung der Prüfung

Es dauert nicht mehr lange und die heiße Phase des Semesters beginnt: die Prüfungen stehen vor der Tür. Wenn ihr nicht schon seit zwei Monaten lernt, stehen die Chancen nicht schlecht, dass ihr durch die eine oder andere Prüfung rasselt…
Aber mal Spaß beiseite, es passiert schneller als man denkt, dass man eine Prüfung nicht besteht. Sollte euch also in den wohlverdienten Ferien die Nachricht erreichen, dass ihr eine Klausur in den Sand gesetzt habt, ist das noch lange kein Grund den Kopf in besagten zu stecken. Denn ihr habt noch mehrere Möglichkeiten, das Prüfungsergebnis nachträglich zu euren Gunsten zu kippen.
Diese stelle ich euch im folgenden Beitrag vor:

1) Verhandlung mit dem Prüfer
Viele Studenten akzeptieren ihr Prüfungsergebnis ohne mit der Wimper zu zucken. Sie ärgern sich zwar, aber schlucken ihre Unzufriedenheit wortlos herunter, anstatt auch nur den geringsten Versuch für eine bessere Benotung zu unternehmen. Versteht mich nicht falsch: Eure Note ist kein unverbindlicher Vorschlag eures Prüfers, über den ihr in lockerer Runde diskutieren und feilschen könnt. Wenn eure Note feststeht, dann steht sie fest – meistens jedenfalls.
In der Regel habt ihr jedoch die Möglichkeit, die Bewertung eurer Prüfungsleistung zu begutachten und im Anschluss eine Stellungnahme dazu abzugeben. Aber der Reihe nach: Nach jeder Prüfung habt ihr das Recht, eine Einsicht in die Prüfungsunterlagen vorzunehmen (die sogenannte Prüfungseinsicht). Danach oder noch währenddessen, dürft ihr mündlich oder schriftlich zur Bewertung Fragen stellen und eure Sicht der Dinge vortragen.
Was jedoch nicht zu empfehlen ist, ist dass ihr wirklich verhandelt. Die Prüfungseinsicht ist kein Basar. Vielmehr ist es ein prüfungsrechtlich relevantes Verfahren, weshalb ihr sachlich und begründet argumentieren solltet. Achtet auf Korrekturfehler und appelliert an den Bewertungsspielraum den der Prüfer hat. So könnt ihr gegebenenfalls tatsächlich noch die fehlenden Punkte herausschlagen.

Da ich hier gerade die Korrekturfehler angesprochen habe, stelle ich euch auch gleich die fünf häufigsten Korrekturfehler vor, auf die ihr bei einer Einsicht achten solltet.

a) Punkte falsch zusammengezählt
Prüfer sind auch nur Menschen und wenn ihr 300 Klausuren korrigieren müsstet, würdet ihr wohl auch mal ein paar Punkte übersehen.
Aus diesem Grund ist es unabdingbar, dass ihr in der Einsicht eure Punkte nachzählt. Oft reicht dies schon aus, um den Sprung auf eine 4,0 zu schaffen.

b) Aufgabe übersehen
Wer kennt es nicht, im Eifer des Gefechts geht in der Lösungsdarstellung einiges drunter und drüber. Aus diesem Chaos, das ihr fabriziert, muss der Prüfer nun verwertbare Lösungen ziehen. Da kann es schon einmal vorkommen, dass eine später hinzugekommene Lösung nicht gesehen und bewertet wird. Schaut daher immer, ob alles, was ihr geschrieben habt auch berücksichtigt wurde.

c) Folgefehler nicht berücksichtigt
Grundsätzlich gilt: Bei einer Prüfungsbewertung soll ein und derselbe Fehler nicht mehrfach bestraft werden. Die Umsetzung lässt allerdings einen großen Bewertungsspielraum zu, so dass die Punktevergabe stark vom Prüfer abhängt.
Für manche gelten Folgefehler nur innerhalb einer Teilaufgabe, andere weiten den Rahmen auf die ganze Klausur aus und einige sehen in jeder Fragestellung einen neuen Prüfungsschwerpunkt, in dem Folgefehler überhaupt keine Anwendung finden. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass ihr nachfragt, wie der Prüfer zu Folgefehlern steht.

d) Alternativen Lösungsweg nicht beachtet
Oft gibt es nicht DIE richtige Lösung, vielmehr gilt auch bei einer Klausur, dass viele Wege zum Ziel führen. Habt ihr nicht den präferierten Lösungsweg des Prüfers verwendet, so muss das nicht zwingend falsch sein. Erfüllt euer alternativer Lösungsansatz alle geforderten Aspekte, so ist er auch richtig und damit mit Punkten zu belohnen. Wichtig ist nur, dass euer Lösungsweg dem Erwartungshorizont entspricht, tut er dies nicht ist er einfach nur falsch und bekommt auch keine Punkte.

e) Antwortspielraum nicht beachtet
Genauso wie euer Prüfer einen Bewertungsspielraum bei der Korrektur hat, besitzt ihr in der Klausur einen Antwortspielraum. Das heißt, dass eure Antworten, je nach Aufgabenstellung, ein gewisses Maß von der Musterlösung abweichen dürfen, ohne dass dies negativ gewertet wird.
Hierbei kommt es auf die Formulierung der Aufgabe an. Je freier die Aufgabe gestellt ist, desto höher ist euer Antwortspielraum. Wird aber beispielsweise nach einer Definition gefragt, schrumpft euer Spielraum stark ein.

Sucht ihr nach diesen Fehlern in einer Korrektur, stehen eure Chancen nicht schlecht, dass ihr noch ein paar Punkte dazubekommt. Aber denkt immer daran, sachlich und höflich gegenüber dem Prüfer zu bleiben, schließlich wollt ihr etwas von ihm und nicht andersherum.

2) Legt Widerspruch gegen die Benotung ein
Sollten sich eure Kommunikationsfähigkeiten nicht auszahlen und euer Verhandlungsgeschick ins Leere laufen, könnt ihr im nächsten Schritt einen offiziellen Widerspruch gegen die Bewertung eurer Prüfung einlegen. Dazu müsst ihr allerdings triftige Gründe vorlegen und objektiv nachweisen können, warum euer Prüfungsergebnis neu bewertet werden sollte. Es reicht nicht aus, wenn ihr erklärt, dass die Note ungerecht sei und ihr eigentlich Kopfschmerzen während der Klausur hattet.
Euren Widerspruch formuliert ihr schriftlich und richtet ihn an den Prüfungsausschuss. In eurem Widerspruch solltet ihr klar benennen, was ihr wollt und dieses Ziel müsst ihr so begründen, dass der Prüfungsausschuss nicht anders kann, als eurem Antrag statt zu geben.
Bevor ihr euren Widerspruch formuliert, solltet ihr zuerst die Prüfungsordnung genau durchlesen, und auf diese in eurem Widerspruch eingehen. Die Prüfungsordnung für die HS Pforzheim findet ihr hier.

Damit euer Widerspruch erfolgsversprechend ist, habe ich hier ein paar Tipps für euch:

a) Spinnt einen roten Faden
Für einen erfolgreichen Widerspruch müsst ihr euch zuerst überlegen, was der Kern eurer Begründung sein soll. Um diesen herum baut ihr dann euren Antrag auf.

b) Beschreibung eurer aktuellen Situation
Nachdem ihr eure Kernaussage getroffen habt, beginnt ihr mit der Begründung. Dabei beschreibt ihr zu Anfang eure Situation, also wer ihr seid, was ihr studiert und wo genau euer Problem liegt.

c) Verknüpfung der ersten beiden Schritte
Das Ziel muss es sein, den Prüfungsausschuss davon zu überzeugen, dass bei euch eine Einzelfallentscheidung möglich und unumgänglich ist. Dafür bringt ihr eure Kernaussage mit eurer aktuellen Situation in Verbindung. Das Ziel ist es, dass eure persönliche Lage direkt auf euer eigentliches Ziel überleitet und zeigt, dass euch persönliche Probleme zu diesem Antrag gezwungen haben.

d) Begründung
Nun müsst ihr einen Grund nennen, der grundsätzlich so gewichtig ist, dass er vom Prüfungsausschuss genehmigt werden kann. Informiert euch also im vorhinein, welche Gründe schon zu einem erfolgreichen Widerspruch geführt haben.

e) Mögliche Konsequenzen
Am Ende eures Widerspruchs könnt ihr noch mögliche Konsequenzen aufzeigen, die euch drohen, wenn eurem Antrag nicht statt gegeben wird. Zeigt hier, dass eine Genehmigung des Antrags für euch besonders wichtig ist und euer Studium maßgeblich beeinflussen kann.

Mit diesen Tipps sollte es euch möglich sein, einen erfolgsversprechenden Widerspruch zu formulieren.

3) Fechte das Prüfungsergebnis an
Wird euer Widerspruch abgelehnt, so könnt ihr juristisch gegen diese Ablehnung vorgehen, indem ihr eure Hochschule verklagt. Der Ablehnungsbescheid enthält eine Rechtsbehelfsbelehrung, der ihr entnehmen könnt, wie ihr gegen die Ablehnung vorgehen könnt.
Entscheidet ihr euch für eine Klage, solltet ihr euch unbedingt professionellen Rechtsbeistand holen. Dies steigert eure Erfolgsaussichten enorm und normalerweise werdet ihr nicht die Zeit haben, um euch in die jeweilige Prozessordnung einzuarbeiten. Eine solche Rechtsberatung ist zwar nicht umsonst, aber wenn ihr ernsthaft einen Prozess anstrebt, auf jeden Fall die Investition wert.
Entscheidet ihr euch dafür, ein Gerichtsverfahren zu beginnen, sollte euch bewusst sein, dass sich dieses über Jahre hinziehen kann und euch ein positiver Ausgang nach einer solch langen Zeit nichts mehr nutzt.

4) Absolviere einen Verbesserungsversuch
In manchen Studiengängen ist es möglich, eine schlechte Note nachträglich zu verbessern, indem ihr eine eigentlich bestandene Klausur nochmals schreibt. Ob in eurem Studiengang diese Möglichkeit besteht, solltet ihr eurer Prüfungsordnung entnehmen können. Findet ihr dort keinen Hinweis auf die Möglichkeit eines Verbesserungsversuchs, schadet es nicht, den Prüfungsausschuss explizit nach dieser Möglichkeit zu fragen. Nichts wäre ärgerlicher, als eine Chance zu verpassen, nur weil ihr einen Passus in der Prüfungsordnung überlesen habt.

5) Substituiere das Modul
Ähnlich wie der Verbesserungsversuch, nur etwas radikaler, ist die Substitutionsmöglichkeit, die in einigen Studiengängen vorgesehen ist. Das Ganze funktioniert so: Die Anzahl der Module und der dazugehörigen Prüfungen ist jedem Studiengang fest vorgegeben. Bei vielen Hochschulen ist diese Zahl jedoch nicht nach oben begrenzt. Das heißt: Ihr könnt mehr Module belegen und mehr Prüfungen absolvieren als ihr eigentlich müsst, um euer Studium abzuschließen.
Und diese Konstellation kann euch zugutekommen – nämlich genau dann, wenn ihr eine bereits bestandene Prüfung (mit einer schlechten Note) durch eine andere, „neue“ Prüfung austauscht. Aber Achtung: Nicht alle Prüfungsausschüsse lassen das zu. Entweder entscheidet die chronologische Reihenfolge eurer Prüfungen oder es findet eine verbindliche Wahl im Vorfeld statt.
Besonders dann, wenn ihr euch Fächer aus Wahlkatalogen aussuchen oder zwischen verschiedenen Vertiefungsrichtungen wählen könnt, könnte diese Option der Notenverbesserung für euch interessant sein.

Fazit
Grundsätzlich müsst ihr eine schlechte Note nicht einfach so hinnehmen, sondern könnt auf mehreren Wegen versuchen, die Note zu verbessern. Jedoch sind nicht alle der beschriebenen Wege auf jeder Hochschule gleichermaßen begehbar. Es kann sich aber für euch lohnen, euch in das Thema einzuarbeiten und so im Falle des Falles eine verbockte Prüfung nachträglich zu retten.

Ich hoffe, eure Prüfungen verlaufen so, dass ihr diese Tipps nicht nötig habt, falls aber doch eine Prüfung nicht nach euren Wünschen ausfällt, hilft euch dieser Artikel hoffentlich dabei, doch noch das gewünschte Ergebnis zu erreichen.

 

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